Aus den bittersüßen Jugendjahren, als wir uns noch überlegten, was wir eigentlich wollten vom Leben, bleibt mir eine Erinnerung, die mich bis heute zum Lachen bringt. 
Ein Freund machte sich über mich lustig, indem er die Stimme eines gierigen kleinen Monsters imitierte, wie sie später für „Gollum“ in „Herr der Ringe“ benutzt wurde:
„Ich will ALLES.“ 

Heute verstehe ich unter „alles, was ich mir vom Leben wünsche“ etwas Anderes als das unbefleckte Liebesglück und die berufliche Karriere, die zur Rettung der Welt beiträgt, von denen ich mit achtzehn träumte. 

Was ich stattdessen bekommen habe, erweckt in mir den Eindruck, unbeschreiblich reich zu sein, --- ein Gefühl, das immer noch zu wachsen scheint.
Oder, um mit Stephen Hawkins zu sprechen: "Who could have wished for more?"

Was mir entrissen wurde, war nicht mein Ziel, sondern die Illusion, dass es leicht sein würde, „meinen Schatz“ zu finden, ohne dabei den Weg durch Mordor zu nehmen. 
Dieses Entreißen tat deshalb so weh, weil ich langatmig an meinen Illusionen festgehalten habe, und es gibt keinen Anlass zu der Annahme, dass es damit schon vorbei sein könnte.

Aber was darunter zum Vorschein kommt, ist etwas, das glänzt. 
Es ist schwer zu beschreiben, was es eigentlich ist, dieses warme, satte Gefühl im Inneren, das mir die Dankbarkeit in die Augen treibt. In aller Bescheidenheit nenne ich es mal: „Ich“. 

Dasselbe „Ich“ sehe ich auch in allen anderen Menschen: Ein Innerstes, das hervor funkelt zwischen allen Äußerlichkeiten des Lebens und sie strahlen lässt in einem anderen Licht. Einen lebendig pulsierenden, aber bleibenden Kern unter allem anderen, das sich verändert und verabschiedet, welkt und abfällt wie eine vertrocknete Schale. Manche Menschen verspüren den Wunsch, diese Schalen zu räumen und den darunterliegenden Schatz zu bergen. 

Darum bin ich heute als Beraterin öfter und mit immer noch wachsender Sicherheit in Mordor unterwegs, erkunde neue Pfade hinein und hinaus aus dem Land der Tiefe und stelle mich zur Verfügung als zeitweiliger Gefährte für andere Glücksuchende.

 

Judith Rauxloh

geb. 1971
zwei Kinder
wohnt in Potsdam

abgeschl. Studium in Sprachen und Literatur
geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie
EMDR-Therapeutin
Leiterin für Familienaufstellung nach Hellinger
Seminarleiterin für Autogenes Training
Yogalehrerin und –therapeutin

mehrjährige Studien- und Arbeitsaufenthalte in England, Frankreich und Norwegen

 

„Was im Inneren eines Menschen vorgeht, ist nicht zu erfassen, nicht zu ermessen und nicht zu durchdringen. Aber keine Tiefe der Welt zieht mich mehr an als diese.“